Wirtschaftsdaten

Industrie- und Innovationsland Kärnten




Einwohnerzahl Kärnten: 557.815 (= 6,5 % von Gesamtösterreich)
Unselbständig Beschäftigte: 256.800 (= 6,2 % von Gesamtösterreich)
(Quelle: Statistik Austria, 2015)

Produzierender Bereich (Sachgütererzeugung, Bergbau, Bau, Energie- und Wasserversorgung), Anteil an der regionalen Bruttowertschöpfung (Kärnten 2013: insgesamt 15,7 Mrd. €, Quelle: IWI, Industrie- wissenschaftliches Institut):
Kärnten             Österreich
31 %                  28 %

Tourismus-Anteil an der regionalen Bruttowertschöpfung (IWI, 2013):
Kärnten
6,5 %
15 % inklusive Freizeitwirtschaft (laut IHS Kärnten)

Regionales BIP/Einwohner (IHS 2014):
Kärnten                      Österreich
32.200 €                     38.500 €

Stärkste Branchen der Industrie (2015 nach Produktionswert/Beschäftigung, Quelle: Jahresbericht WK-Sparte Industrie):
Maschinen/Metall       1,719 Mrd. €          8.355
Elektro/Elektronik       1,365 Mrd. €          4.273
Holz                              1,215 Mrd. €          2.681
Chemie                         1,084 Mrd. €          2.866

Die Kärntner Industrie („Herstellung von Waren“) hat sich im Jahr 2015 sehr gut behauptet. Beim Index gelang laut IHS Kärnten ein Plus von 2,5 Prozent, was deutlich über dem österreichischen Schnitt von 2 Prozent lag. Der Produktionsindex insgesamt ist allerdings mit – 0,2 Prozent leicht rückläufig, weil vor allem der Bau mangels öffentlicher Aufträge schwächelt. Am massivsten ist der Rückgang im Tiefbau: – 5,3 Prozent!
Laut Industriewissenschaftlichem Institut (2013) steht die Industrie inklusive aller von ihr abhängigen Dienstleistungen („Servoindustrieller Sektor“) für rund 54 Prozent der Wertschöpfung im Land und für 45 Prozent der Beschäftigten. Von den Bruttoanlageninvestitionen leistet der Servoindustrielle Sektor sogar 60 Prozent des gesamten Kärntner Volumens. Insgesamt sind das 2,5 Mrd. Euro. Das ist hinter Oberösterreich und Vorarlberg der dritthöchste Anteil eines Bundeslands. Der Tourismus stemmte im gleichen Jahr Investitionen von 130 Mio. Euro, die Landwirtschaft trotz eines deutlich geringeren Anteils an der Wertschöpfung (2 %) immerhin 208 Mio. Euro.
Sehr erfreulich ist auch die Entwicklung im von der Industrie dominierten Export. Die Ausfuhren wuchsen im Jahr 2015 gegenüber dem Vorjahr um 4,7 Prozent auf 7,036 Mrd. Euro, der Exportüberschuss betrug 1,070 Mrd. Euro! Wichtigste Handelspartner: Deutschland vor USA und Italien. (Quelle: WK Kärnten)

Ergebnisse Konjunkturumfrage im 2. Quartal 2016: Große exportstarke Unternehmen beurteilen derzeit die Geschäftslage besser als der Mittelstand. Trotz unsicherem Umfeld (Finanzkrise, Brexit etc.) melden über die Hälfte der Industriebetriebe (53 Prozent) gute Auslandsaufträge. Damit liegen die Einschätzungen hier erneut deutlich besser als für die Aufträge insgesamt, die nur 44 Prozent als gut bezeichnen. In allen anderen Bereichen dominieren Vorsicht und Abwarten. Egal, ob Produktion, Beschäftigung, Verkaufspreise oder Erträge, überall traut man sich überwiegend nur ein „gleichbleibend“ zu. Das betrifft übrigens auch die Einschätzung für die Geschäftslage in einem halben Jahr.
Die Branchen: Positive Rückmeldungen kommen laut Umfrage weiter aus der Elektro-/Elektronikbranche, aus der Chemie und der Holzindustrie. Auch Kärntens stärkste Industriesparte, die Maschinen- und Metallindustrie blickt – mit kleinen Abstrichen bei der Ertragslage – wieder optimistischer in die Zukunft. Mit großen Problemen hat aber nach wie vor die Nahrungs- und Genussmittelindustrie zu kämpfen. Nicht nur die Russlandsanktionen drücken auf die Exportbilanz, auch die Ertragslage leidet.

Technologie und Innovation
Die im Sommer 2015 vom IHS Kärnten veröffentlichten Daten des Jahres 2013 zu Forschung & Entwicklung in den österreichischen Bundesländern zeigen für Kärnten eine immer noch gute Position, aber auch Handlungsbedarf:
Bei der Forschungsquote ist das Bundesland gegenüber der letzten Erhebung im Jahr 2011 mit einem Anteil von 2,87 Prozent hinter Oberösterreich (3,17 %) und Tirol (3,14 %) auf Rang 5 zurückgefallen. Ein Blick in die Übersicht der Steigerungsraten der Forschungsausgaben zeigt, warum: Oberösterreich hat seine Forschungsausgaben zwischen 2011 und 2013 um 26,6 (!) Prozent gesteigert, Tirol um 25,2 Prozent. Kärnten hingegen steigerte seine Ausgaben nur um 9 Prozent, der schwächste Wert im Bundesländervergleich!
Die nachlassende Dynamik lässt sich auch in anderen relevanten Bereichen nachweisen. So legte die Zahl der F&E-Beschäftigten im selben Zeitraum in Kärnten um 6,3 Prozent zu. Hier waren nur Wien (allerdings auf hohem Niveau) und Niederösterreich schlechter. Ähnlich die Entwicklung bei der Zahl der F&E-führenden Einheiten. Der Rückgang betrug in Kärnten 7,2 Prozent. Nur Salzburg lag noch dahinter.
Aber auch sehr positive Entwicklungen: So schneidet Kärnten bei der Akquisition von Geldern aus dem Topf der Forschungsförderungsgesellschaft FFG sehr gut ab. Ein absoluter Anteil von 6,4 Prozent am gesamten Förderkuchen liegt deutlich über jenem des Bundeslands an den österreichischen F&E-Ausgaben, der nur 5,3 Prozent beträgt. Auch die Steigerung zwischen 2013 und 2014 ist beachtlich: plus 43,4 Prozent!
Fazit: die schon mehrere Jahre alte Forschung-Technologie-Innovation-Strategie des Landes gehört evaluiert und gegebenenfalls adaptiert.

In Kärnten gibt es mehrere erfolgreiche außeruniversitäre Forschungszentren: CTR Carinthian Tech Research und W3C Holzkompetenzzentrum (beide COMET-Zentren), Lakeside Labs und KAI Industrielles Kompetenzzentrum für Automobil- und Industrieelektronik bei Infineon oder CARRD (Center for Abrasives and Refractories Research and Development) vom Imerys-Konzern in Villach.

Die größten Herausforderungen Kärntens
Landesfinanzen, kaum noch Spielraum wegen:

  • hoher Landesschulden: 6.009 € pro Kopf (lt. Budget 2016, Spitzenreiter in Österreich). Hier ist die massive Steigerung durch eine mögliche Einigung mit den Haftungsgläubigern der Heta noch nicht berücksichtigt
  • hoher Personalkosten des Landes: 14,8 Prozent der unselbständig Erwerbstätigen sind Beamte oder Vertragsbedienstete im öffentlichen Dienst, Vorarlberg kommt mit 5,9 Prozent aus! (Quelle: Einkommensbericht des Bundesrechnungshofs 2013); Effizienzsteigerung dringend nötig! Bei den Einkommen der Vertragsbediensteten liegt Kärnten im Bundesländervergleich an 1. Stelle, bei den Beamten an 2. Stelle!
  • teurem, ineffizientem Gesundheitssystem, hartnäckigem Festhalten an Krankenhausstandorten: Bei der Bettenzahl pro 100.000 Einwohner liegt Kärnten 15 Prozent über dem Bundesschnitt, Vorarlberg 22 Prozent darunter (laut Statistik Austria). Abgang der Krankenhäuser im Budget für 2016: 241 Mio. Euro!


(Stand Juli 2016)

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Kontakt

Gilbert Waldner

Öffentlichkeitsarbeit, Infrastruktur, Innovation, Industriellenvereinigung Kärnten

T  +43 463 56615 16
E   g.waldner@iv-net.at

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