Ob die Entwicklung von Rahmenbedingungen am heimischen Wirtschaftsstandort und vor allem notwendige Schritte zu deren Verbesserung oder Konjunkturprognosen - der Bereich Wirtschaftspolitik liefert Analysen, Expertisen und konkrete Vorschläge.

Arbeitszeit

Das derzeitige österreichische Arbeitszeitrecht ist unübersichtlich und sehr restriktiv. Die Rahmenbedingungen entsprechen vielfach nicht den Notwendigkeiten einer modernen Arbeitswelt. Insbesondere die gesetzliche Tageshöchstarbeitszeit von zehn Stunden ist vielfach nicht praktikabel. Um die notwendigen Rahmenbedingungen für geeignete Arbeitszeitmodelle in einer sich ständig verändernden Arbeitswelt zu schaffen, besteht dringender gesetzlicher Änderungs- und Modernisierungsbedarf, speziell in folgenden Bereichen:

  • Praktikable Höchstarbeitszeitgrenzen
  • Verteilung der Normalarbeitszeit ‒ Durchrechnungsmöglichkeiten auf Betriebsebene
  • Ausnahme für autonome, selbstbestimmte Arbeitnehmer/innen
  • Praxisgerechte Wochen(end)ruhe
  • Praxisgerechte Kurzarbeitsregelung

Einkommens- & Vermögensverteilung

Die ständige politische Diskussion über noch mehr Umverteilung in Österreich zeigt deutlich, dass die Kenntnis der Bevölkerung über Zahlen und Fakten und über das sehr großzügig ausgebaute Umverteilungssystem in Österreich nicht sehr ausgeprägt ist. Wir müssen uns bewusst machen, dass sich Wohlstand nicht konservieren lässt, sondern jeden Tag wieder aufs Neue erwirtschaftet werden muss. Unsere Herausforderung in den kommenden Jahren wird nicht sein, wie wir unseren Wohlstand in Österreich noch „gerechter“ verteilen, sondern wie wir ihn überhaupt erst wieder erwirtschaften können.

Es geht uns gut in Österreich.

  • Wir haben das vierthöchste Pro-Kopf-Einkommen in der EU. Unser Wohlstand (BIP pro Kopf in Kaufkraftstandards) liegt um 30 Prozent über dem EU-Schnitt.
  • Wir haben die zweithöchsten verfügbaren Einkommen der Haushalte in der EU, wenn man alle Transferleistungen des Staates (inkl. Sachleistungen) hinzuzählt.
  • Die Österreicherinnen und Österreicher sind am besten vor den großen Lebensrisken (Alter, Krankheit, Arbeitslosigkeit) geschützt: Sie haben EU-weit im Durchschnitt die dritthöchsten Pensionsleistungen (Nettoersatzrate von knapp 90 Prozent des Aktiveinkommens); 94Prozent der Arbeitssuchenden erhalten eine durchgängige Arbeitslosenversicherungsleistung  – das ist der zweithöchste Wert der OECD; 99 Prozent der Bevölkerung sind krankenversichert – auch das ist ein Spitzenwert in der OECD.
  • Wir haben eine der gleichmäßigsten Einkommensverteilungen in der EU und eine Einkommensschere (der verfügbaren Haushaltseinkommen), die sich tendenziell schließt, statt wie in vielen anderen Staaten auseinandergeht.

 

Aber: Wir haben uns diesen Wohlstand in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten teuer erkauft.

Wir haben:

  • die sechsthöchste Steuer- und Abgabenquote weltweit (fünfthöchste in der EU)
  • die fünfthöchste Staatsausgabenquote weltweit
  • die höchste Transferquote der OECD: Über ein Drittel (36 Prozent) des durchschnittlichen Haushaltseinkommens kommt in Österreich von staatlichen Transfers
  • eine implizite Staatsschuldenquote von 314 Prozent des BIP, wenn man alle Verpflichtungen des Staates an die noch lebenden und die zukünftigen Generationen hinzurechnet (EcoAustria)
  • die dritthöchste Arbeitszusatzkostenbelastung in der Sachgütererzeugung weltweit (die Industrie muss hierzulande 92 Prozent des Direktentgelts an die Arbeitnehmer zusätzlich an Steuern und Abgaben zahlen)
  • mit 22  Prozent den höchsten Zuwachs an Arbeitskosten (inkl. Abgaben) der gewerblichen Wirtschaft seit der Krise im gesamten Euroraum
  • mit einer Abgabenbelastung von 52 Prozent des Unternehmensgewinns (wenn man alle Steuern und Abgaben zusammenrechnet, also auch Lohnsumme und Produktionsabgaben), die weltweit vierthöchste Steuerbelastung auf unternehmerische Tätigkeiten
     

Wir sehen uns heute als Standort vor dem Problem, dass wir die Verpflichtungen, die die österreichische Politik in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten eingegangen ist, in Zukunft kaum mehr erwirtschaften können. Erstens weil sie zu hoch sind und zu großzügig vergeben wurden, und zweitens, weil unsere Produktivkräfte nicht mehr diesen Erwartungen entsprechen: Österreichs Potentialwachstum ist von rund 2,1 Prozent reales BIP-Wachstum vor der Krise (konjunkturbereinigtes, effektives, jährliches Wachstumspotential) auf heute nur mehr 1,4 Prozent des BIP zurückgegangen.

Die OECD hat berechnet, dass unser langfristiges Wachstumspotential in Österreich das drittniedrigste aller OECD-Staaten ist. Wir haben zu wenige Erwerbspersonen und Fachkräfte und zu wenig Investitionsanreize, um unsere Wachstumsraten so anzuheben, dass wir uns den Sozialstaat in diesem Ausmaß auch in Zukunft leisten können.

Föderalismus

Konjunkturumfrage

Panel 50

50 führende Vertreterinnen und Vertreter aus Industrie, Finanzwirtschaft, Wissenschaft und Verbänden bewerten vierteljährlich wirtschaftspolitische Maßnahmen. Die Industriellenvereinigung (IV) hat ein umfassendes Standortpanel „Panel 50" zur Einschätzung der Standortqualität Österreichs und der aktuellen wirtschaftspolitischen Maßnahmen entwickelt. 

Risk Panel

Das RiskPanel ergänzt die etablierten empirischen Erhebungen der Industriellenvereinigung. 

Während die IV-Konjunkturumfrage seit Jahrzehnten zur Einschätzung der kurzfristigen zyklischen Schwankungen dient, erfasst das im Jahr 2005 geschaffene Panel50 die längerfristigen strukturellen Veränderungen hinsichtlich Standortqualität und Wettbewerbsfähigkeit. Das aus dem StratfüSys-Projekt im KIRAS-Sicherheitsforschungsprogramm hervorgehende RiskPanel widmet sich der Risikodimension wirtschaftlichen Handelns, angefangen von der Versorgungssicherheit mit Rohstoffen und Energie bis zu möglichen öffentlichen und privaten Strategien der Risikominimierung. Es konstituiert sich aus einem Kreis von 100 ausgewählten Spitzenvertreterinnen und -vertretern aus Industrie, Energieversorgern und anderen Institutionen.

Wettbewerbsfähigkeit / wirtschaftlicher Strukturwandel

IV-Iconiv-positionen

Neueste Ausgabe lesen
iv-exklusiv Bild